Wie gelangen Kommunen schneller von der Datensuche zur fundierten Planung? Diese Frage war ein wichtiger Ausgangspunkt des 3. Interkommunalen Fachworkshops der Landesinitiative Smart City / Smart Region am 29. September in den SaltLabs Halle (Saale) – aber sie war längst nicht die einzige. Das Kompetenzzentrum Stadtumbau hat ihn gemeinsam mit dem Ministerium für Infrastruktur und Digitales ausgerichtet und mit der Unterstützung von Dorothee Maniere von City&Bits und Dr. Marco Brunzel umgesetzt. Der Titel lautete „Kooperative Dateninfrastrukturen – vom Pilotprojekt zum interoperablen Datenökosystem“. Auf dem Programm standen eine technische Werkstatt zu unserem Pilotprojekt, ein Impuls der Stadt Halle (Saale) zum Digitalen Zwilling und eine gemeinsame Werkstatt zur Dateninfrastruktur im Land. 

Technische Werkstatt: der Proof of Concept „Planungsdaten auf Knopfdruck“ 

Den Ausgangspunkt des Pilotprojekts kennen viele Kommunen aus eigener Erfahrung. Wer Mittel aus der Städtebauförderung beantragen will, braucht ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) und damit eine breite Datengrundlage. Viele dieser Daten sind zwar digital, aber über verschiedene Stellen und Fachämter verstreut und in unterschiedlichen Formaten abgelegt. Deshalb kostet schon die Beschaffung viel Zeit, bevor die eigentliche Planung beginnen kann. Und bei jeder Fortschreibung beginnt die Suche von vorne… 

Hier setzt der Proof of Concept (PoC) an, den wir gemeinsam mit dem Datenkompetenzzentrum für Städte und Regionen (DKSR) erproben. Jonas Merbeth (DKSR) stellte ihn vor: Der PoC baut keinen weiteren zentralen Datenspeicher auf. Stattdessen erschließt er vorhandene Open Data und zugangsbeschränkte Daten über Schnittstellen und stellt sie für kommunale Planungsprozesse bereit. Das Ziel: Planungsgrundlagen sollen nicht mehr für jedes Konzept neu zusammengetragen werden. Sie sollen aktuell, visuell verständlich und auf Abruf bereitstehen. 

In den ersten beiden Anwendungsfällen haben wir exemplarisch gearbeitet und stellten den aktuellen Arbeitsstand vor: Ein Bevölkerungsdashboard bündelt GENESIS-Daten für alle Landkreise, inklusive Wanderungssalden und Altersstrukturen. Eine Erreichbarkeitsanalyse zeigt, wie gut Schulen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto in 10, 20 und 30 Minuten erreichbar sind. So werden unterversorgte Gebiete sichtbar. Die Software bindet Daten über Schnittstellen an und visualisiert sie nahezu ohne thematische Grenzen. Als Nächstes folgt ein Anwendungsfall zu Klima und Umwelt. Zwei weitere sind bewusst offen: Sie sollen aus den Fragen der Kommunen entstehen. Welche Auswertungen im Planungsalltag wirklich helfen, finden wir am besten gemeinsam heraus. Nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf: kompetenzzentrum@saleg-service.de. 

Fragen und Anregungen aus der Werkstatt 

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden, wo der PoC im Verwaltungsalltag unterstützen kann, welche Voraussetzungen nötig sind und was nach der Pilotphase offen ist. 

  • Den größten Nutzen hat die Plattform dort, wo Kommunen regelmäßig berichten müssen. Eine Bedarfsanalyse soll klären, welche Berichte und Konzepte welche Daten brauchen, angefangen beim ISEK.
  • Auch die kommunale Wirtschaftsförderung kann die Daten nutzen, zum Beispiel für kurze, datengestützte Standortprofile. 
  • Wie aktuell die Daten sind, unterscheidet sich stark zwischen Fachämtern, Kommunen und Landkreisen. Neue Bewertungspflichten nach § 36a BauGB machen fehlende Daten besonders spürbar. 
  • Datenplattform und kommunales GIS ersetzen sich nicht. Sie ergänzen sich. 
  • Gerade kleinere Kommunen brauchen Arbeitsteilung, etwa mit Landkreisen, Hochschulen oder interkommunalen Partnern.  
  • Offen ist, wie der Betrieb nach der Pilotphase finanziert wird und wie ein Preismodell aussehen kann. Als Vision wurde ein „Spotify für Stadtplanung“ diskutiert: Kommunen hätten so gemeinsam und im Abo-Modell Zugriff auf Daten und Anwendungen. 

Impuls: HAL-Plan – Digitaler Zwilling für Planung und Beteiligung 

Andreas Blümner, Leiter des Teams Innovationsförderung der Stadt Halle (Saale), und Max Rudolph, Gründer der Follows You GmbH, stellten HAL-Plan vor. Das Planungswerkzeug zeigt städtische Projekte, Daten und Entwicklungen georeferenziert in 3D. Über eine Kommentarfunktion ist Beteiligung direkt im Modell möglich. Ihre Kernaussage: Visualisierung ersetzt keine Beteiligung, sie schafft aber eine gemeinsame Grundlage, um sich zu verständigen. Nachhaltig nutzbar ist ein Digitaler Zwilling nur, wenn die Kommune Daten, Schnittstellen und Betrieb langfristig selbst bestimmt. In HAL-Plan stecken fünf Jahre Entwicklung.  

Werkstatt: Kooperative Dateninfrastruktur in Sachsen-Anhalt 

Im zweiten Teil zeichneten die Teilnehmenden gemeinsam ein Gesamtbild der Dateninfrastruktur im Land. An einer Pinnwand sammelten sie vorhandene Bausteine, offene Themen und Anmerkungen. Zu den Bausteinen zählen die Geodateninfrastruktur, das Liegenschaftskataster, das Datenportal, das Beteiligungsportal Sachsen-Anhalt und HAL-Plan. Offene Themen gibt es reichlich. Für Bebauungspläne fehlt oft eine digitale Vorgangssteuerung, und viele Stellungnahmen kommen noch per E-Mail. Datenqualität, Kompetenzen und eine Inventur der vorhandenen Bestände brauchen mehr Aufmerksamkeit. Ein Wunsch zog sich durch den ganzen Austausch: Datenquellen gemeinsam sammeln. 

Schnell wurde es konkret: Eine Gemeinde möchte sehen, welche Windenergieflächen aus der Regionalplanung bereits genutzt werden. Dafür braucht es maschinenlesbare Landes- und Regionalpläne im Standard XPlanung. Bei Baustellen im Straßenraum fehlt oft der Überblick, wann welche Maßnahme ansteht. Eine Idee: das OZG-Breitbandportal zu einem Tiefbauportal ausbauen. Weitere Themen waren die Denkmalinventarisierung, maschinenlesbares Sanierungsrecht und Grundstücksauskünfte direkt aus vorhandenen Daten. Halle (Saale) stellt seine Gewerbeflächen bereits über das GIS bereit und will Bodenrichtwerte ergänzen. Auch zu HAL-Plan gab es Anregungen: Baurecht visualisieren, Planung für viele Zielgruppen anschaulich machen und alle Mitarbeitenden ausprobieren lassen. Denn eine Frage beschäftigt viele Verwaltungen: Wie überzeugt man das eigene Team von neuen Werkzeugen? 

Feedback, Lessons Learned und Ausblick 

Viele Teilnehmende nahmen mit, dass andere Kommunen an denselben Fragen arbeiten. Kritisch angemerkt wurde, dass grundlegende Basisdaten vielerorts noch fehlen. Das DKSR hielt dagegen: Oft reichen schon wenige Daten, um Zusammenhänge sichtbar zu machen. Für viele Fragestellungen gibt es zudem bereits erprobte Lösungen. Ein weiterer Punkt: Ein Stadtentwicklungskonzept umfasst schnell 200 Seiten oder mehr. Gute Visualisierungen helfen, daraus eine verständliche Geschichte zu machen, Entscheidungen vorzubereiten und innovative Handlungsempfehlungen abzuleiten.  
Der Workshop hat erneut gezeigt, wie wichtig der interkommunale Austausch im Themenfeld Smart City / Smart Region ist: Kommunen bringen unterschiedliche Kenntnisstände, Erfahrungen und laufende Vorhaben mit. Gerade deshalb können sie voneinander lernen, praxistaugliche Lösungen gemeinsam weiterentwickeln und vorhandenes Wissen besser nachnutzen. Genau deshalb soll dieser Prozess über das Kompetenzzentrum fortgesetzt werden. 

Weiter geht es am 8. Oktober 2026 ab 12:00 Uhr mit der 25. Städtenetzkonferenz im Gesellschaftshaus Magdeburg. Auch dort ist „Planungsdaten auf Knopfdruck“ Thema. Wir laden Sie herzlich dazu ein.