Sachsen-Anhalt

„Die Region ist die Stadt, die Stadt ist die Region“ – unter diesem polyzentrischen Ansatz begann das Kompetenzzentrum Stadtumbau im Jahr 2016 mit der Arbeit an einem informellen „Zukunftsplan Sachsen-Anhalt 2030+“. Zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Politik begleiten seither diesen Prozess, der die Inhalte von  Regional-, Kreis- und Stadtentwicklungskonzepten flächendeckend aufgreift, miteinander vernetzt und sie für die Erarbeitung einer landesweiten Gesamtstrategie nutzen will. Die polyzentrische Entwicklung unter Betonung ökonomischer Zukunftscluster und der regionalen, kulturellen Vielfalt des Landes, steht im Mittelpunkt dieser Strategie: „Es  gilt“, so der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Jo Schulz, „die in den Regionen vorhandenen Potenziale noch besser zu erschließen und sie auf wirkungsvolle Weise miteinander zu verknüpfen“. Ziel ist neben der Stärkung ländlich geprägter Strukturen mit ihren Klein- und Mittelstädten – etwa durch den gezielten Ausbau öffentlicher Mobilitäts- und digitaler Infrastrukturangebote – insbesondere die Ausprägung von Identität und Bewusstsein sowie die Imageprofilierung des Landes nach innen und außen.  Die Visualisierung oftmals trockener Theorie ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Zukunftsplans. Vorschläge hierzu wurden u.a. an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle an der Saale entwickelt.

Unter fachlicher Leitung von Gastdozent Hugo Göldner haben dort Multimedia-Design-Studenten digitale Storytelling-Konzepte zu den Aspekten Region und Identität, Kultur, Bildung und Forschung, Energie, Mobilität und Naturraum entwickelt, die ein positives Zukunftsszenario verständlich und imagebildend vermitteln sollen. Die Bandbreite der Ergebnisse erstreckt sich einerseits von einer 3D-Kartenanimation zur klimagerechten und energetischen Zukunftsfähigkeit des Landes, über ein digitales Tool, das als optisch und technisch ansprechender Katalog für sämtliche Kulturveranstaltungen und Sehenswürdigkeiten Sachsen-Anhalts dienen kann, bis hin zu einer aktiven und identitätsstiftenden Beteiligungsplattform für gesellschaftliche Akteure und Bürger. Hier symbolisiert eine abstrakte Visualisierung eine neue kollektive Identität, die bereit ist, weiter zu wachsen.

Andererseits werden sämtliche staatliche und private Institutionen des tertiären Sektors – von Kindertagesstätten über Schulen bis hin zu Hochschulen, Universitäten und Forschungszentren – kartenbasiert abgebildet, dazu wird eine interaktive Applikation hinsichtlich klimagerechter Elektromobilität in – für Sachsen-Anhalt typisch – dünn besiedelten Regionen entwickelt und eine visuelle Bildungsreise durch die reizvollen 199 Naturschutzgebiete des Landes mit ihren vielfältigen Floren und Faunen angeboten. Alle sechs Konzepte zusammen komplettieren die thematischen Visualisierungen des polyzentrischen Sachsen-Anhalt.

Hugo Göldner
RE->FORM SACHSEN-ANHALT

Marijke Herforth | Lisa Greulich
SACHSEN-ANHALT BILDET UND FORSCHT 

Tamara Siewert | Achim Kolba | Tatiana Pinzón | Sara Schmitz
RE–FORM REGION+IDENTITÄT

Karsten Kührt 
DIE INSEL

Henning Herre | Saskia von Reppert | Maria Müller | Mandy Neidhardt 
REFORM SACHSEN-ANHALT KULTUR 

Jingjiao Shi
SECRET GARDEN

Martin Rudat
ECOGO MOBILITÄT IN SACHSEN-ANHALT 

Kooperationsprojekt mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Polyzentrische Identität

Wer oder was ist eigentlich Sachsen-Anhalt? Ist es wirk­lich nur ein seit 1990 existierendes politisches Konst­rukt ohne eigene Identität, mit dem sich laut Sachsen-Anhalt-Monitor nur jeder vierte Einwohner verbunden fühlt? Welchen Beitrag kann Identitätsarbeit in einem so heterogenen und regional so vielfältigen Bundesland leisten, damit es zusammen wächst?

Rund 30 Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben unter Leitung von Prof. Dr. Reinhold Sackmann die Identitätsstrukturen unseres Bindestrichlandes auf Grundlage der aktuellen regiona­len Entwicklungskonzepte und zahlreicher Expertenin­terviews analysiert und hinsichtlich raumbezogener na­turlandschaftlicher, ökonomischer und kulturgeschicht­licher Parameter aufgearbeitet. Im Ergebnis plädieren die Studierenden für die Betonung und Stärkung der sogenannten „polyzentrischen Identität“ – eine einheit­liche kollektive Identität für Sachsen-Anhalt sei weder notwendig, noch realistisch. Polyzentrische Identität hingegen könne in der Vielfalt der Regionen Synergien schaffen und räumliche und soziale Zusammenhalte stärken. Die jeweiligen Potentiale der im Rahmen des Projekts identifizierten Zentren – Bioenergiezentrum Altmark, Tourismuszentrum Harz, Wissenschafts- und Forschungszentrum Magdeburg, Industrie- und Kultur­zentrum Halle sowie das Zentrum der Welterbestätten Anhalt – und deren nachhaltige Vernetzung in den ver­schiedenen Zukunftsclustern ermöglichen durch kon­krete Identitätspolitik und -arbeit eine Vermarktung des Bundeslandes nach innen und außen als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort. Historische und gegenwär­tige Besonderheiten der einzelnen Regionen werden somit beibehalten und sollen zu einem zukunftsorien­tierten integrierten Identitätskonzept weiterentwickelt werden. Sachsen-Anhalt biete darüber hinaus durch in­dividuelle, bezahlbare Wohnkonzepte und hervorragend ausgebaute verkehrliche und soziale Infrastrukturen entscheidende Voraussetzungen für die Selbstverwirk­lichung der Bewohnerinnen und Bewohner sowohl in den Klein- und Mittelstädten als auch in den ländlichen Räumen. Doch auch Nachholbedarfe wurden identifi­ziert, etwa beim Ausbau der digitalen Infrastrukturen als auch beim Grad der Implementierung identitätsstif­tender Partnerprojekte zwischen Landkreisen, Städten und Gemeinden, insbesondere in sogenannten konst­ruierten Regionen. Daneben gelte es, über Plattformen und Identifikationsfiguren die Potentiale des Landes Sachsen-Anhalt zunehmend nach innen und außen sichtbar zu machen. Das Semesterprojekt ist ein Baustein im Rahmen der Er­arbeitung des „Zukunftsplan Sachsen-Anhalt 2030plus“.

Polyzentrische Identität